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Neuengland 2000: Übersicht

Übersichtskarte zur Neuengland-Rundreise:

 
Routen- und Entfernungsübersicht:

TagDatumRouteTagesstrecke
mi. / km
104.09.2000
Montag
Washington D.C. (National Mall)14 / 23
205.09.2000
Dienstag
Washington D.C. (Capitol, Nat'l Gallery of Art, Georgetown)6 / 10
306.09.2000
Mittwoch
Washington D.C. (Nat'l Air and Space Museum, Post Office Tower, Arlington Cemetery, Adams Morgan) 4 / 6
407.09.2000
Donnerstag
Washington D.C. - Annapolis - Chesapeake Bay - Norfolk328 / 528
508.09.2000
Freitag
Norfolk - Colonial Williamsburg - Richmond - Charlottesville198 / 319
609.09.2000
Samstag
Charlottesville - Shenandoah N.P. - Martinsburg214 / 345
710.09.2000
Sonntag
Martinsburg - Gettysburg - Harrisburg - Hershey - Lancaster212 / 341
811.09.2000
Montag
Lancaster - Pennsylvania Dutch Country - Philadelphia160 / 258
912.09.2000
Dienstag
Philadelphia (Downtown, Philadelphia Museum of Art, Society Hill)18 / 29
1013.09.2000
Mittwoch
Philadelphia - NJ Transit - Branford253 / 407
1114.09.2000
Donnerstag
Branford - Old Saybrook - Mystic/Stonington - Hartford - South Deerfield213 / 343
1215.09.2000
Freitag
South Deerfield - Green Mountains (VT) - Montpelier - Burlington - Derby350 / 564
1316.09.2000
Samstag
Derby - White Mountains (NH) - Lewiston290 / 467
1417.09.2000
Sonntag
Lewiston - Acadia N.P. - Brunswick324 / 522
1518.09.2000
Montag
Brunswick - Freeport - Portland - Portsmouth110 / 177
1619.09.2000
Dienstag
Portsmouth - Hampton Beach - Providence - Newport174 / 280
1720.09.2000
Mittwoch
Newport - Martha's Vineyard - West Yarmouth128 / 206
1821.09.2000
Donnerstag
West Yarmouth - Cape Cod (Provincetown) - Plymouth - Brockton184 / 296
1922.09.2000
Freitag
Boston (Freedom Trail, Back Bay)34 / 55
2023.09.2000
Samstag
Boston (Beacon Hill, Cambridge, Waterfront)34 / 55
2124.09.2000
Sonntag
Boston (Quincy Market, Flughafen)36 / 58

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Neuengland 2000, 21. Tag: Boston

Old State House, Boston, MA

Old State House

Leider ist heute der Tag der Abreise gekommen. Das bedeutet auch wieder eine Neuaufführung des alljährlichen Dramas mit dem Titel “… ach herrje, ich hatte doch vor drei Wochen nicht so viel Zeug dabei” (Am Nachmittag wird sich auf dem Flughafen herausstellen, dass mein Koffer zu schwer geworden ist, und ich Teile des Inhalts in einen Karton auslagern muss).

Wie schon an den beiden Tagen zuvor fahre ich auch heute wieder von Quincy Adams aus mit der U-Bahn in die Stadt. Da ich bis spätestens 16 Uhr auf dem Flughafen sein muss, und vorher noch meinen Mietwagen vollgetankt abzugeben habe, bleiben mir nur noch ein paar Stunden, um nochmals durch die Innenstadt zu bummeln. Am heutigen Sonntag sieht man besonders viele Touristen, die brav auf der roten Freedom-Trail-Linie entlang balancieren. Auch der Bereich Quincy Market / Faneuil Hall ist heute sehr gut besucht.

Public Garden, Boston, MA

Public Garden

Hier waren mir schon in den letzten beiden Tagen immer wieder originelle Straßenkünstler aufgefallen. Heute ist ein Typ da, der als “Vorprogramm” zu seiner nachfolgenden Artistik-Show vorbeigehende Passanten mit Musikschnipseln karikiert. Er hat einen Minidisc-Player dabei, und findet immer wieder ein passendes Musikstück zu dem, was um ihn herum passiert: Chariots Of Fire für einen würdevoll dahinschreitenden älteren Herrn, und Is She Really Going Out With Him? für ein etwas ungleiches Paar (sehr attraktive junge Frau in Begleitung eines dicklich-schleimigen Hornbrillenträgers). Das finden natürlich alle Klasse außer denjenigen, die Opfer seiner Scherze sind …

Faneuil Hall, Boston, MA

Faneuil Hall

Im Inneren des Quincy Markets, wo es ausschließlich Essen und Trinken zu kaufen gibt, versorge ich mich nochmals mit einer Abschiedsportion Clam Chowda, und kaufe mir noch ein paar Muffins für den Heimweg. Nochmals eine kurze Runde im Public Garden, und dann fahre ich mit der U-Bahn zurück zu meinem Auto. Der Boston Logan Airport liegt im Nordosten der Stadt; ich erreiche ihn über den Interstate 93 (der direkt am Ostrand des Zentrums entlangführt) und durch den Callahan Tunnel. Ganz schön viel Verkehr, aber ich liege gut in der Zeit. Rund um den Flughafen herrscht ein recht eigenwilliges Einbahnsystem, so dass es mir nicht auf Anhieb gelingt, die richtige Ausfahrt zur einzigen Tankstelle zu finden. Doch dann ist auch das geschafft, ich gebe das Auto nach etwas mehr als 5.000 gefahrenen km wieder zurück, und warte im Flughafen auf meinen Rückflug in Richtung Paris.

Das Wetter morgens 17°C, tagsüber bis 24°C; bedeckt, schwül
Tagesstrecke 36 mi. / 58 km
Übernachtung … auf dem Rückflug Boston – Paris
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Neuengland 2000, 20. Tag: Boston

Acorn St., Beacon Hill, Boston, MA

Acorn St., Beacon Hill

Auch am heutigen Morgen stelle ich mein Auto an der U-Bahn-Station Quincy Adams am Stadtrand ab und fahre dann wie gestern bis Park Street, um am Boston Common auszusteigen. Schnell noch einen Becher Kaffee an der Ecke geholt, und dann gehe ich in Richtung des vornehmen Wohnviertels Beacon Hill, das direkt hinter dem State House beginnt. Hier gibt es wirklich einige Ecken, an denen man meinen könnte, die Zeit sei vor etwa 150 Jahren stehen geblieben: schmiedeeiserne Zäune, enge Gassen, rote Ziegelhäuser mit winzigen Vorgärten und Gaslaternen verströmen einen Hauch von Kleinstadtidylle inmitten der Metropole. Natürlich will ich unbedingt ein Foto in der kopfsteingepflasterten Acorn Street machen – als ich die Straße nicht gleich finden kann, erklärt mir ein freundlicher Einwohner, der gerade auf dem Weg zum morgendlichen Einkauf ist, den Weg.

MIT (Massachusetts Institute of Technology), Boston, MA

MIT (Massachusetts Institute of Technology)

Das war wirklich sehr schön. Jetzt gehe ich weiter in Richtung Charles River, und überquere die Longfellow Bridge (eine kombinierte U-Bahn- und Fußgängerbrücke) in Richtung Cambridge. Auf dieser Seite des Flusses sind zwei der renommiertesten Bildungseinrichtungen der Welt beheimatet: das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und die Harvard University. Am Memorial Drive entlang führt der Weg direkt am Hauptgebäude des MIT vorbei. Dann biege ich nach rechts in die Massachusetts Avenue ein, wo sich bei Hausnummer 250 das MIT Museum befindet. Das ist eine sehr interessante und originelle Ausstellung für technisch Interessierte – es gibt auch einige “Hands On”-Exponate, die den Besucher zum Mitmachen animieren. Am besten gefällt mir das 3D-Kugellabyrinth, das man dadurch steuert, daß man durch Hüpfen auf der Spielfläche den Neigungswinkel der Grundfläche verstellt.

Harvard Yard, Boston, MA

Harvard Yard

Mit der U-Bahn fahre ich danach weiter nach Harvard. Das Gelände mit allen Hörsälen, Bibliotheken, Instituten usw. ist so weitläufig, daß es dafür einen eigenen Stadtplan gibt! Der Campus – auch als Harvard Yard bezeichnet – ist öffentlich zugänglich. Kurz nachdem ich auf dem Gelände eintreffe, startet gerade eine kostenlose Führung, wie sie von Harvard-Studenten mehrmals täglich angeboten wird. Ich schließe mich an, und unser Guide, eine sehr lebhafte Studentin, erzählt einiges aus der Geschichte und der Tradition der Universität. So zum Beispiel die Geschichte, warum die Bronzestatue mit der Inschrift “John Harvard, Gründer, 1638″ die Statue der drei Lügen genannt wird: die Universität wurde nicht von dem Geistlichen John Harvard gegründet, sondern lediglich nach ihm benannt; das ganze geschah 1636; und weil der Bildhauer nicht wußte, wie der echte John Harvard aussah, ließ er einen Studenten Modell sitzen …

Und sie kramt eine Geschichte nach der anderen hervor. Nach zwei Stunden ist der Rundgang zu Ende, und ich fahre mit der U-Bahn zur Waterfront, dem Bostoner Hafenareal. Besonders auf Höhe des New England Aquarium hat man einen sehr guten Blick auf die Skyline der Stadt. Ich gehe weiter in Richtung Quincy Market – hier verursacht gerade ein Straßenkünstler einen ziemlichen Andrang, der einen Einkaufswagen auf der Stirn balanciert und dazu mit Keulen jongliert!

Ich mag diese Stadt!

Das Wetter morgens 12°C, tagsüber bis 21°C; bedeckt und zum Teil stark windig
Tagesstrecke 34 mi. / 55 km
Übernachtung Super 8 Motel, Brockton, MA
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Neuengland 2000, 19. Tag: Boston

Massachusetts State House, Boston, MA

Massachusetts State House

Die morgendliche Suche nach einer geeigneten U-Bahn-Station mit Park&Ride-Parkplatz gestaltet sich etwas schwierig. Da in Braintree, meiner ersten Wahl, alle Parkplätze in der Umgebung belegt sind, fahre ich auf dem US-3 eine Ausfahrt weiter zur Station Quincy Adams. An der dortigen U-Bahn-Station (die U-Bahn heißt in Boston einfach nur T) kaufe ich einen 3-Tages-Pass für 9 Dollar, und fahre bis zur Station Park Street.

Man kommt auf diese Weise direkt an der Parkanlage Boston Common raus. Dort ist auch unmittelbar ein Stand der Besucherinformation, und gleichzeitig ist hier der Startpunkt des Freedom Trail. Die 4,8 km lange Strecke zieht sich als rote Gehwegmarkierung durch die Stadt, und weist den Weg zu 16 historischen Stätten und Gebäuden, die im Kampf um die Unabhängigkeit von Bedeutung waren. Eine ideale Möglichkeit, als Besucher die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Einmal mehr habe ich Glück mit dem Wetter, das ideales Licht zum Fotografieren bietet.

Washington/School St., Boston, MA

Washington/School St.

Vorbei an State House, Park Street Church, Old State House und Faneuil Hall führt der Weg über die Charlestown Bridge zum Charlestown Navy Yard, wo es die USS Constitution zu sehen gibt, das älteste noch intakte Kriegsschiff der USA von 1797. Immer wieder verblüffend ist es, unterwegs zu sehen, wie harmonisch sich die vielen schön erhaltenen alten Gebäude mit der modernen Architektur zu einem einzigartigen Stadtbild zusammenfügen. Den nördlichsten Punkt des Freedom Trails bildet das Bunker Hill Monument in Charlestown, das wie eine Miniatur-Ausgabe des Washington Monuments in Washington, D.C. aussieht. Von hier aus hat man in Richtung Süden einen schönen Blick auf die Stadt.

Quincy Market, Boston, MA

Quincy Market

Wieder zurück am Boston Common, sehe ich mir diesen Park und den angrenzenden Public Garden etwas genauer an. Hier gibt es einen schönen kleinen Teich mit Enten und Schwänen, und über eine verzierte Brücke und vorbei an einem großen Reiterstandbild von George Washington gehe ich entlang der Boylston Street in Richtung Prudential Tower. Im 50. Stock dieses Hochhauses befindet sich der Skywalk, eine Aussichtsplattform, von der aus man einen hervorragenden Überblick über die Stadt und die Umgebung gewinnt. Im Erdgeschoß des Prudential Center gibt es inmitten einer Ladengalerie auch einige Terminals mit kostenlosem Internetzugang. Nach einer kurzen e-Mail nach Hause stärke ich mich noch mit einer Tasse New England Clam Chowda, einer sahnig-cremigen Muschelsuppe.

Es beginnt bereits, dunkel zu werden, aber ich spaziere noch ein Stück weiter die Boylston Street entlang in Richtung Fenway Park. In einem der ältesten amerikanischen Baseballstadien findet an diesem Abend ein Heimspiel der Boston Red Sox statt, und die Atmosphäre ist ziemlich ähnlich wie bei uns vor einem Fußballspiel: der Duft von Bratwürsten liegt in der Luft, Souvenirhändler preisen ihre Artikel an, und die Fans führen die üblichen Fachgespräche. Allmählich machen sich meine Füße bemerkbar und beginnen, gegen die lange Wegstrecke des Tages zu rebellieren. Und so steige ich an der nächsten Haltestelle in die U-Bahn ein und fahre für heute zurück ins Motel.

Das Wetter morgens 12°C, tagsüber bis 22°C; zum Teil bewölkt und windig
Tagesstrecke 34 mi. / 55 km
Übernachtung Super 8 Motel, Brockton, MA
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Neuengland 2000, 18. Tag: West Yarmouth – Cape Cod (Provincetown) – Plymouth – Brockton

Provincetown, Cape Cod, MA

Provincetown, Cape Cod, MA

Auf dem Highway 28 und dem US-1 fahre ich an diesem Vormittag in Richtung der nördlichen Spitze von Cape Cod. Die Halbinsel erstreckt sich in der Form eines Angelhakens in den Atlantik; der größte Teil der “Spitze” von Cape Cod wurde zu Beginn der 60er Jahre als Cape Cod National Seashore der Verwaltung des National Park Service unterstellt, um das einzigartige Gebiet von Marschlandschaft, Stränden, Dünen und kleinen Weihern zu erhalten.

Die Ortschaft Provincetown bildet den nördlichsten Punkt der Halbinsel. Hier setzten 1620 die Pilgerväter der Mayflower zum ersten Mal Anker an der amerikanischen Küste, woran das 77 m hohe Pilgrim Monument auf dem High Pole Hill erinnert. Heute ist Provincetown das touristische Zentrum der Halbinsel, wie man bei einem Spaziergang entlang der Hauptstraße des Ortes, die ausgerechnet noch “Commercial Street” heißt, unschwer erkennen kann. Außerdem ist P-Town ein beliebter Ausgangspunkt für Bootstouren zur Walbeobachtung (Whale Watching). Um die Mittagszeit stehen vor allen Restaurants der Stadt Mitarbeiter, die versuchen, die eine oder andere Busladung Touristen in ihr Lokal zu locken. Ich kaufe mir am Hafen eine Portion fritierte Krabben mit Pommes – nicht gerade die gesündeste Mahlzeit meiner Reise, aber sehr lecker!

Cape Cod National Seashore, MA

Cape Cod National Seashore

Dann fahre ich ein paar Kilometer aus der Stadt hinaus, um mir die Strandlandschaft etwas genauer anzusehen. Vom Province Lands Visitor Center bietet sich ein sehr schöner Rundblick auf die Dünen, und ich wate ein wenig durch den tiefen Sand.

Für den weiteren Weg in Richtung Boston fahre ich immer an der Cape Cod Bay (Highway 6 und 6A) entlang. Von Sagamore aus nehme ich dann den MA-3 nach Norden bis Plymouth, wo ich meinen Nachmittagsstopp einlege. Hier wird nochmals den Pilgervätern die Referenz erwiesen: es gibt den Schiffsnachbau Mayflower II zu besichtigen, und in unmittelbarer Nähe des Pilgerschiffes steht am Hafen ein offener Säulentempel, der über dem Plymouth Rock errichtet wurde – jenem Stein, auf dem die Pilgerväter angeblich amerikanischen Boden betraten. Ich sehe kaum einen amerikanischen Besucher, der nicht ein Foto oder eine Videoaufnahme des Felsbrockens (der bis auf eine Gravur “1620″ nicht aufregender als andere Felsbrocken aussieht) machen würde.

Plymouth, MA

Plymouth, MA

Gegenüber des Museums “Cranberry World” das ebenfalls am Hafen liegt, kaufe ich mir zwei Gläser mit dem Gelee dieser Moosbeeren, die in Neuengland sehr verbreitet und beliebt sind. Anschließend mache ich mich auf den Weg in Richtung Brockton (ca. 25km südlich von Boston). Die Unterkunft hier hatte ich bereits von Deutschland aus gebucht, und sie wird in den letzten Urlaubstagen meine Ausgangsbasis für die Besichtigung von Boston sein.

Das Wetter morgens 13°C; tagsüber bis 24°C, z.T. stark bewölkt und windig
Tagesstrecke 184 mi. / 296 km
Übernachtung Super 8 Motel, Brockton, MA
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Neuengland 2000, 17. Tag: Newport – Martha’s Vineyard – West Yarmouth

Bis zum späten Vormittag möchte ich heute Martha’s Vineyard erreichen. Dazu fahre ich von Newport aus in Richtung Nordosten (RI-138, I-195). In New Bedford mache ich einen kurzen Stop, um Lebensmittel und Filme für meine Kamera einzukaufen, und fahre dann weiter I-195 und MA-28 South am Ostrand der Buzzards Bay entlang.

Bereits in Falmouth fallen mir Hinweisschilder auf, daß die Parkplätze der Martha’s Vineyard Fähre in Woods Hole belegt seien. Also parke ich mein Auto in Falmouth, und nehme den kostenlosen Shuttlebus der Fährgesellschaft, um zur Ablegestelle zu gelangen. Die Überfahrt von Woods Hole nach Vineyard Haven kostet 5$ – und kaum hat die Fähre abgelegt, kommt die Sonne raus. Yippie!

Nach etwa 50 Minuten kommen wir in Vineyard Haven an. Dort leihe ich mir bei Martha’s Bicycle Rentals ein Fahrrad aus, und nun kann die Erkundung der Insel losgehen.

 
Das Wetter ist inzwischen herrlich sonnig, und so macht die Radtour umso mehr Spaß. Ich mache eine Runde von insgesamt etwas mehr als 30km, die mich mit Vineyard Haven, Oak Bluffs und Edgartown an den wichtigsten Orten im Osten der Insel vorbeiführt. Wunderschön ist es hier: viktorianische Holzbauten, Sandstrände, Heideland, bunte Boote und Jachten und elegante Herrenhäuser, so weit das Auge reicht. Immer wieder muß ich anhalten, weil sich wieder ein neues Fotomotiv ergibt.

Mit der 17 Uhr-Fähre verlasse ich am Nachmittag die Insel. Bei der Ausfahrt aus dem Parkplatz der Fährgesellschaft dann noch die Pointe des Tages: der Shuttlebus war kostenlos, aber der Parkplatz für den Tag kostet 8 Dollar. Sehr witzig!

Naja, nicht aufregen. Jetzt gilt es noch ein strategisch günstig gelegenes Motel für die morgige Etappe nach Cape Cod zu finden. Das ist heute gar nicht so einfach, denn die meisten Unterkünfte entlang der Route 28 sind belegt. Aber schließlich klappt es doch noch, und das Motel hat sogar einen großen Swimmingpool.

Das Wetter morgens 19°C und stark bewölkt; tagsüber sonnig bis 28°C
Tagesstrecke 128 mi. / 206 km
Übernachtung Americana Holiday Motel, West Yarmouth, MA
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Neuengland 2000, 16. Tag: Portsmouth – Hampton Beach – Providence – Newport

Daniel Street, Portsmouth, NH

Daniel Street, Portsmouth, NH

Vom Motel aus sind es nur wenige Minuten bis nach Downtown Portsmouth, wo ich ganz zentral in der Market Street mein Auto an einer Parkuhr abstelle, um einen Stadtrundgang zu machen. Die koloniale Geschichte der einzigen Hafenstadt in New Hampshire reicht bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück. 1630 entstand am Ufer des Piscataqua River eine Siedlung, die wegen der Erdbeersträucher am Flußufer “Strawberry Banke” genannt wurde. Diese historischen Gebäude gehören heute zum Freilichtmuseum Strawbery Banke, in dem – ähnlich wie in Colonial Williamsburg (siehe Tag 5) – verkleidete “Einwohner” in der Sprache der damaligen Zeit die Geschichte(n) der jeweiligen Häuser zum Besten geben und altes Handwerk vorführen.

Ich verzichte allerdings auf diesen Museumsbesuch, und schlendere stattdessen durch die engen Gassen der Altstadt. In einem der zahlreichen Straßencafés genehmige ich mir einen Cappuccino, ehe ich ein Stück weiter in Richtung Süden fahre.

Hampton Beach, Hampton, NH

Hampton Beach, Hampton, NH

Am Hampton Beach, etwa 10 Meilen südlich von Portsmouth, gehe ich barfuß am Sandstrand spazieren. Der Sand im sonnigen Teil ist angenehm warm; das hereinkommende Atlantikwasser fühlt sich herrlich kühl auf den Fußsohlen an.

Nun habe ich ein längeres Stück im Auto vor mir: auf dem I-95 fahre ich bis kurz hinter die Grenze von Massachusetts; anschließend auf dem I-495 in weitem Bogen westlich an Boston vorbei, und dann nochmals auf dem I-95 in Richtung von Rhode Island, dem kleinsten US-Bundesstaat.

Skyline von Providence, RI

Skyline von Providence, RI

In Rhode Island nehme ich Kurs auf Providence, die Hauptstadt. Direkt hinter dem State Capitol finde ich einen Parkplatz, und mache mich zu Fuß auf den Weg in Richtung Innenstadt. Das State Capitol ist zwar ziemlich beeindruckend, und auch das Einkaufzentrum Providence Place ist ganz nett, aber auf dem weiteren Weg komme ich an einem zentralen Busbahnhof vorbei, wo jede Menge zweifelhafte Typen rumstehen – und auch ein Blick über den Busbahnhof hinaus zeigt eigentlich nur recht düstere Ecken. Zumal jetzt auch noch ein Unwetter aufzieht, ist mir das ganze nicht mehr allzu geheuer, und ich marschiere wieder zu meinem Auto zurück.

Mein letztes Teilstück für heute führt bei mittlerweile strömendem Regen über I-95, US-1 und RI-138 nach Newport. Von der Newport Bridge (2$ Maut), die über die Narragansett Bay führt, sieht man bei dem Wetter leider nicht mehr allzu viel. Der peitschende Regen wird am Abend noch schlimmer; im Fernsehen ist von einem Ausläufer des aktuellen Florida-Hurrikans die Rede.

Das Wetter morgens 16°C; tagsüber bis 24°C, leicht bewölkt, gegen Abend starke Schauer
Tagesstrecke 174 mi. / 280 km
Übernachtung Motel 6, Newport, RI
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Neuengland 2000, 15. Tag: Brunswick – Freeport – Portland – Portsmouth

L.L.Bean, Freeport, ME

L.L.Bean, Freeport, ME

Nach einer kurzen Fahrt von etwas mehr als 30 Minuten komme ich am frühen Vormittag in Freeport an. Der kleine Ort hat historische Bedeutung, denn hier wurde 1820 der Vertrag unterzeichnet, der die Trennung Maines von Massachusetts bestätigte. Heute gilt Freeport als “Factory Outlet Capital of the World” – weit über hundert Läden reihen sich aneinander und bieten selbst bei einem Dollarkurs von DM 2,30 noch das eine oder andere Schnäppchen.

Besonders gut gefällt mir das Angebot im Ladengeschäft des Outdoor-Ausstatters ‘L.L.Bean’. Das Retail Store hat an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden geöffnet. Ich treffe auf einen Kassierer, der Ende der 60er Jahre mit seiner Frau als Opernsänger in Bielefeld tätig war: “Auf Wiedersehen, and have a nice trip” …

Moulton Street, Portland, ME

Moulton Street, Portland, ME

Nach einiger Zeit habe ich dann vom Shoppen wieder genug. Ich stärke mich noch mit einem Hummerbrötchen (lecker!), und fahre anschließend 20 Meilen weiter nach Portland, das mit rund 62.000 Einwohnern die größte Stadt von Maine ist. Hier lohnt es sich unbedingt, einen Spaziergang durch das restaurierte historische Viertel Old Port Exchange zu machen: schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster, alte Wohnhäuser und Kirchen verströmen einen Hauch 19. Jahrhundert.

Ebenfalls empfehlenswert ist es, in der Markthalle Portland Public Market vorbeizuschauen – schon allein wegen des Dufterlebnisses, das sich aus dem Angebot an Früchten, Kaffee und Gebäck ergibt. Hier bietet sich eine tolle Gelegenheit für einen kleinen Imbiss, es gibt hervorragenden Kaffee, und wenn man sich von einem Händler den Parkschein abstempeln läßt, parkt man im anliegenden Parkhaus zwei Stunden kostenlos.

Public Market, Portland, ME

Public Market, Portland, ME

In der Hafengegend ist heute nicht allzu viel los, allerdings liegt dort (an der Commercial Street) das Fremdenverkehrsbüro. In der Umgebung stehen alte Lagerhäuser, die in den vergangenen Jahren in Apartments umgewandelt und so vor dem drohenden Verfall bewahrt wurden.

Nach diesem angenehmen Kleinstadterlebnis fahre ich weiter in Richtung Süden. Auf dem ME-77 mache ich eine Schleife nach Cape Elizabeth zum Two Lights State Park, wo es mir allerdings trotz großer Anstrengungen nicht gelingt, mehr als einen Leuchtturm zu finden …

Naja, macht nichts. Bald verlasse ich auf dem Highway 1 den Bundesstaat Maine, und beziehe unmittelbar hinter der Grenze in Portsmouth, NH, mein Nachtquartier. Die freundliche, aber etwas zerstreute Dame im Motel checkt mich unter dem Namen “Norbert Moehni” ein …

Das Wetter morgens 17°C; tagsüber bis 23°C, sonnig und leicht bewölkt
Tagesstrecke 110 mi. / 177 km
Übernachtung Motel 6, Portsmouth, NH
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Neuengland 2000, 14. Tag: Lewiston – Acadia National Park – Brunswick

Am heutigen Morgen ist es etwas kühler als an den Tagen zuvor, aber recht sonnig. Scheint also das ideale “Nationalpark-Wetter” zu werden!

Um zu meinem ersten Ziel, dem Acadia National Park, zu gelangen, habe ich zunächst noch eine knapp zweistündige Autostrecke zurückzulegen. Sie führt auf dem Highway 11 nach Augusta, von dort aus auf dem I-95 bis Bangor, und anschließend über den Highway 1A South nach Ellsworth. Damit habe ich den Golf von Maine erreicht, und komme nach ein paar weiteren Kilometern südwärts kurz hinter der Ortschaft Bar Harbor auf Mount Desert Island an, der Hauptinsel des Parks.

Acadia ist der nordöstlichste der US-Nationalparks, der sich über mehrere Inseln in den Atlantik erstreckt. Die Park Loop Road, eine insgesamt ca. 40 km lange Trasse, führt den Besucher zu vielen eindrucksvollen Ausblicken auf die herrliche Landschaft und bietet zahlreiche Ausgangspunkte für Wanderungen.

 
Vom Sand Beach aus mache ich die Wanderung auf dem Great Head Trail, die mich über Stock und Stein zu herrlichen Aussichten und zu einigen Begegnungen mit Einheimischen führt – viele von ihnen wollen wissen, was sie auf dem Teil des Weges noch erwartet, den ich schon hinter mir habe (“Tell us what we’re up to”).

Der höchste Punkt entlang der Park Loop Road ist der Cadillac Mountain (466m), von dem aus man nochmals einen phantastischen Rundblick auf die Seen-, Fels- und Waldlandschaft des Parks hat.

Kurz vor fünf Uhr Nachmittags wird es leider Zeit, wieder aufzubrechen. Nun fahre ich immer entlang der Atlantikküste auf dem Highway 1 in südwestlicher Richtung. Immer wieder sieht man Stände mit der Aufschrift “Fresh Lobster” am Straßenrand: rund ¾ der gesamten in den USA gefangenen Hummer stammen aus Maine!

Das Wetter morgens 11°C; tagsüber bis 19°C, zunächst sonnig, später stark bedeckt
Tagesstrecke 324 mi. / 522 km
Übernachtung Super 8 Motel, Brunswick, ME
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Neuengland 2000, 13. Tag: Derby – White Mountains (New Hampshire) – Lewiston

Von Derby aus fahre ich am heutigen Morgen auf dem Highway 105 Ost nach New Hampshire. Dort zweige ich auf den US-3 nach Süden bis Lancaster ab, von wo aus der Highway 2 nach Osten in den White Mountain National Forest führt. Die White Mountains sind ein weiteres landschaftliches Highlight meiner Reise, und in der phänomenalen Landschaft sind an diesem Wochenende bereits recht früh am Vormittag viele Biker und Wanderer unterwegs.

Meine erste Unternehmung des Tages soll das Befahren der Mount Washington Auto Road sein, die bei Glen House an der Route 16 beginnt. Für 16$ bekomme ich zunächst eine Urkunde, eine Kassette mit Fahrtanweisungen und Geschichten über den Berg, und einen Autoaufkleber mit dem Schriftzug THIS CAR CLIMBED MT. WASHINGTON. Außerdem gibt es an der Talstation Hinweise auf die Witterungsbedingungen auf dem 1.917m hohen Gipfel: 20m Sichtweite, -3°C Lufttemperatur und eine Windgeschwindigkeit von 75 km/h. Aber davon lasse ich mich nicht abschrecken.

 
Die heutigen Witterungsbedingungen machen die 8 Meilen Fahrt zum Gipfel (auf zum Teil unbefestigter Straße) durchaus zu einem Erlebnis. Unterwegs überquert man die Baumgrenze, und es ist sehr interessant, den Wechsel der Fauna zu beobachten. Kurz unterhalb des Gipfels sieht man allerdings kaum mehr die Hand (geschweige denn andere Fahrzeuge) vor Augen.

Silver Cascade, Crawford Notch State Park, NH

Silver Cascade, Crawford Notch State Park, NH

Und so bin ich dann doch recht erleichtert, als ich nach knapp 1½ Stunden wieder die Talstation der Auto Road erreiche. Von hier aus geht es weiter auf dem NH-16 bis Glen, dann auf dem US-302 nach Westen bis Twin Mountain, und anschließend auf dem US-3 nach Süden bis nach Lincoln. Auf der letztgenannten Teilstrecke kommt man am “Old Man of the Mountain” vorbei, einer Felsformation, die ihren Namen aus ihrer großen Ähnlichkeit mit einem menschlichen Profil erhalten hat. Anschließend fahre ich auf dem Highway 112, dem sogenannten Kancamagus Highway, nach Osten. Besonders entlang des Swift River zeigt sich nochmals die ganze landschaftliche Pracht der White Mountains, und an der Lower Falls Scenic Area hat man einen wunderbaren Blick auf eine enge Schlucht und Stromschnellen.

Meine morgige Erkundung von Maine, dem nordöstlichsten Bundesstaat, bereite ich heute schon vor, indem ich mir ein Nachtquartier in Lewiston (etwa 50 km südwestlich von Maines Hauptstadt Augusta) suche.

Das Wetter morgens 10°C; tagsüber bis 15°C, Wechsel zwischen Schauern und sonnigen Abschnitten
Tagesstrecke 290 mi. / 467 km
Übernachtung Super 8 Motel, Lewiston, ME